Personalnachrichten
April 2006Neu am Institut für Mathematik: Prof. Dr. Jörn Steuding
Ab 1. April 2006 hat Prof. Dr. Jörn Steuding als Nachfolger von
Prof. Dr. Günter Köhler
die Professur für Zahlentheorie am Institut für Mathematik der Universität Würzburg inne.
Zahlentheorie ist eine traditionsreiche mathematische Disziplin, die sich mit
den verschiedensten Eigenschaften von Zahlen beschäftigt; so interessiert man
sich z.B. im Universum der ganzen Zahlen insbesondere für Teilbarkeit,
Primfaktorzerlegung und Primzahlverteilung. Viele Probleme der Zahlentheorie
sind leicht verständlich, aber nur schwierig zu bewältigen. Zu ihrer
Bearbeitung bedient sich der Zahlentheoretiker oft Methoden anderer Gebiete
wie etwa Algebra, Geometrie und Analysis. Durch ihre konkreten Probleme hat
die Zahlentheorie dabei auch wichtige Weiterentwicklungen in diesen Gebieten
vorangetrieben.
Steuding illustriert diese fruchtbaren Wechselwirkungen kurz am
Beispiel von Zetafunktionen. Diese analytischen Objekte sind erzeugende
Funktionen einer komplexen Variablen, die aus arithmetischen Daten
konstruiert werden. Oft lassen sich wichtige arithmetische Informationen aus
den analytischen Eigenschaften der zugehörigen Zetafunktion extrahieren. So
steht beispielsweise die Verteilung der Primzahlen in engster Verbindung mit
der Nullstellenverteilung der Riemannschen Zetafunktion. Viele wichtige
Resultate über Primzahlen wurden auf diese Art und Weise mit speziell dazu
entwickelten Methoden der Funktionentheorie erfolgreich bearbeitet (z.B. der
Primzahlsatz); viele interessante Fragen harren allerdings noch ihrer
Antwort. Die bislang ungelöste Riemannsche Vermutung (eines der sieben
Milleniumsprobleme) besagt, dass sämtliche nicht-reellen Nullstellen dieser
Zetafunktion auf der sogenannten kritischen Geraden in der komplexen Ebene
liegen. Ist dies tatsächlich der Fall, so ergeben sich zahlreiche wichtige
Konsequenzen: z.B. wären dann die Primzahlen so gleichmäßig wie nur möglich
verteilt. Diese Folgerungen liegen nicht nur innerhalb der mathematischen
Grundlagenforschung, sondern sind auch in Hinblick auf Anwendungen von
Interesse, etwa in der Kryptographie.
Das Spezialgebiet von Professor Steuding sind Universalitätseigenschaften von
Zetafunktionen. Beispielsweise läßt sich jede beliebige nicht-verschwindende
analytische Funktion durch gewisse „shifts“ der Riemannschen Zetafunktion
gleichmäßig approximieren! Dieses erstaunliche Ergebnis wurde 1975 von
Voronin bewiesen; mittlerweile kennt man einen ganzen Zoo von solchen
„universellen“ Zetafunktionen. Diese bemerkenswerten
Approximationseigenschaften stehen in engem Zusammenhang mit der
Werteverteilung und insbesondere der Riemannschen Vermutung.
Jörn Steuding, 1969 in Bad Orb geboren, studierte von 1990 bis 1995 Mathematik
an der Universität Hannover und promovierte dort 1999 mit einer Arbeit über
die Nullstellenverteilung der Riemannschen Zetafunktion in kurzen Intervallen
auf der kritischen Geraden. Danach folgte ein Wechsel an die Johann Wolfgang
von Goethe-Universität Frankfurt, wo er sich 2004 mit einer Schrift zur
Universalität von Zetafunktionen in der Selbergklasse habilitierte; in dieser
Zeit entstanden fruchtbare Kontakte nach Litauen und Japan. Anschließend war
Steuding als „Ramón y Cajal-Investigador“ an der Universidad Autónoma de
Madrid tätig.
11.04.2006
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