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Angewandte Stochastik

Forschungsbereiche

Statistik für stochastische Prozesse

Statistische Grafik

Markus Bibinger und seine Arbeitsgruppe forschen zur Statistik für stochastische Prozesse. Durch stochastische Prozesse werden dynamische Größen, die sich über die Zeit ändern, modelliert.
Die Theorie stochastischer Prozesse widmet sich vor allem Prozessen in stetiger Zeit, deren Realisierungen Funktionen ("Pfade") sind. Die Statistik für stochastische Prozesse ermöglicht es, Modelle an Daten zu kalibrieren und für Anwendungen zu nutzen.

Meist werden die Daten als zeitdiskrete Beobachtungen eines Prozesses beschrieben. Die zeitstetige Natur des Modells ist trotzdem grundlegend, da die Dynamik in stetiger Zeit erfolgt und sich beliebige Diskretisierungsschemata betrachten lassen.

Ziele der Statistik sind optimale Hypothesentests und die effiziente Schätzung von Parametern oder Funktionen. Aktuell untersuchen wir zum Beispiel, welche Pfadeigenschaften, wie etwa Regularität, sich aus diskreten Beobachtungen identifizieren lassen und wie man diese am besten schätzen kann.

Im DYNSTOCH-Netzwerk findet ein regelmäßiger Austausch der internationalen Community zu diesem Forschungsfeld statt und regt Kooperationen an. Die jährliche Konferenz des Netzwerks bietet eine Plattform, auf dem Gebiet forschende junge Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit internationalen Fachleuten zusammenzubringen.

Finanzmarktökonometrie

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Wir arbeiten an Anwendungen der Statistik für Prozesse in der Finanzmarktökonometrie. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf Anwendungen für hochfrequente Innertages-Finanzdaten. Für viel gehandelte Aktien sind Handels- und Orderbuch-Daten mit einer enormen Datentiefe verfügbar ("Big Data"). In elektronischen Handelsplattformen mit Limit-Order-Buch werden oft mehrere Preisänderungen pro Sekunde aufgezeichnet. Die Modellierung und Analyse solcher Daten wird immer wichtiger, da ein hoher Anteil von etwa 70% des Handelsvolumens im Hochfrequenzhandel liegt. Aufgrund der Arbitragefreiheit effizienter Märkte sind Semi-Martingale eine geeignete stochastische Prozesse, um logarithmierte Preisentwicklungen zu modellieren. Eine Charakteristik solcher Semi-Martingale ist die Volatilität, welche intrinsisches Risiko durch Preisschwankungen beschreibt. Im mehrdimensionalen Fall beinhaltet die Volatilitätsmatrix auch die Korrelationsstruktur des Portfolios. Sprungkomponenten eines Semi-Martingals können instantane große Preisänderungen als Reaktion auf Neuigkeiten und ökonomische Schocks modellieren. Preise, die auf höchster Frequenz an elektronischen Märkten aufgezeichnet werden, sind durch marktspezifische Mikrostruktur beeinflusst. Deswegen werden komplexere Beobachtungsmodelle mit Rauschen benötigt. Die Schätzung der Volatilitätsmatrix und Methoden, um das Rauschen, Sprünge und die stetige Preisdynamik für solche Modelle zu trennen, sind Forschungsthemen unserer Arbeitsgruppe.

Die Methoden werden unter anderem angewendet, um systemische und idiosynkratische Risikofaktoren zu unterscheiden. In einem Projekt mit Forschern der Europäischen Zentralbank (EZB) haben wir hochfrequente Innertages-Finanzdaten unterschiedlicher Staatsanleihen ausgewertet, um Kommunikationsstrategien und Verfahren zur Marktregulierung zu bewerten. Um systemische Risikofaktoren in großen Portfolios zu analysieren, arbeiten wir aktuell zur Statistik hochdimensionaler, hochfrequenter Daten.

 

Extremwerttheorie

Statistik

Die Extremwerttheorie beschäftigt sich mit seltenen Ereignissen, die aber schwere Auswirkungen haben, wenn sie doch einmal eintreten. Der frühere Lehrstuhlinhaber Michael Falk, Frank Marohn und ihre Arbeitsgruppen untersuchen multivariate Problemstellungen in diesem Bereich unter dem Blickwinkel der D-Normen.

Industrielle Statistik und Risikoanalyse

Profit-Loss-Risk

Prof. Dr. Rainer Göb und seine Forschungsgruppe widmen sich der industriellen Statistik und den Forschungsschwerpunkten:

  • Stochastische Methoden der Risikoanalyse, insbesondere der Wirtschaftsprüfung
  • Statistische Methoden zur Prozesskontrolle und der Fraud Detection
  • Audit und Acceptance Sampling
  • Data Conformance Testing

Strukturmodelle von Finanznetzwerken

Dem Lehrstuhl für Mathematik VIII angegliedert ist die Arbeitsgruppe Finanzmathematik. Ihr Forschungsfokus sind vor allem strukturelle Modelle von Finanznetzwerken. Von Interesse sind hierbei die Existenz und Eindeutigkeit von Gleichgewichtspreisen, Auswirkung von Finanzverflechtungen auf Preisverteilungen, finanzielle Ansteckungseffekte und effiziente Bewertungsalgorithmen.

Mehr Informationen zu Prof. Dr. Tom Fischer und seinen Forschungsbereichen finden Sie auf den Seiten der Finanzmathematik.